A Wurschtsemmerl

Eine Kurzgeschichte aus dem wahren Leben eines Plättenseglers

Die Plättensegler sind ja prinzipiell ein sehr reiselustiges Volk. Vor allem auch am und über den Chiemsee. Man nützt jede Möglichkeit, sich mit der Plätte am See zu zeigen, eine nette Gemeinschaft zu erleben, möglichst viele Preise zu gewinnen und vor allem die kulinarische Vielfalt bei den einzelnen Veranstaltungen zu geniessen.

P1130657-800x600-Bei diesen “langen” Seeüberquerungen u.a. mit Motorbootschlepp oder bei den stundenlangen Regatten ohne Wind ist es natürlich absolut notwendig, die entsprechende Ausrüstung zum Überleben – Getränke und Brotzeit – an Bord der Plätte zu haben. Ein Kühlschrank wurde zwar noch auf keiner Chiemseeplätte gesichtet, aber alle erdenklichen Varianten von Kühlboxen und sonstigen Behältnissen zur Essens- und Getränkeverwahrung allemal.

Bei einem Schlepp zur einer Regatta passierte dann laut Erzählungen Folgendes:

Der lange Schlepp über den See machte einen Plätteneigner sehr hungrig und er holte sich aus seinem reichhaltig vorhandenen Proviant etwas zum Essen.  Plätte liegendAllerdings übersah er dabei, dass ein  Wurschtsemmerl auf den Boden der Plätte fiel. Als er aufstand, um sich weitere Verpflegung zu holen, rutschte er auf dem Wurschtsemmerl aus und machte einen eleganten Salto (es wird vermutet rückwärts) in den Chiemsee. Die Plätte war natürlich folgsam und versuchte es ihrem Herrn nachzumachen: sie neigte sich auf die Seite, kippte um und legte sich neben ihren Besitzer. So waren beide wieder in ihrem über alles geliebten Element, dem Chiemseewasser, vereint. Was will man mehr im Leben eines Plättenseglers!! Das Gesinde, also die Plätte, muß einfach den Anordnungen des Chefs Folge leisten.

Man spricht übrigens auch darüber, dass es sich bei der Wurscht im Wurschtsemmerl um eine sehr fettige Wurscht gehandelt haben soll. Besser wäre es vielleicht gewesen, eine fettarme und daher nicht ganz so rutschige Wurscht zu nehmen. Jedenfalls empfehlen das andere Plättensegler. Natürlich waren sofort eifrige Helfer zur Stelle und halfen sowohl dem schwimmenden Plättenbesitzer als auch der Plätte, wieder in eine aufrechte Position zu kommen. Während dieser Zeit allerdings schwamm das Wurschtsemmerl, ganz alleine gelassen, an ihrem Besitzer vorbei und ward nicht mehr gesehen.

Neuesten Recherchen zufolge ist besagter Plätteneigner jetzt nur noch mit Bananen an Bord unterwegs. Ob das allerdings die richtige Entscheidung für eine Plättenbrotzeit ist, wird man sehen bzw. hören?!
Der Name des Plätteneigners darf natürlich aus Gründen des Datenschutzes nicht mitgeteilt werden. Allerdings munkelt man, dass das Segel der Plätte die Nummer 378 hat und in Feldwies/Übersee beheimatet ist…

Manfred Braun