Seehäusl Cup 2013

Erwachen-eines-PlaettenseglersAus der Not zum Plättentuning?

Manfred Braun / 20.07.2013
 
Manfred Götz stiftete mich an, unbedingt am Seehäusl Cup teilzunehmen.
Im Nachhinein gesehen war das von Ihm, trotz allem was sich ereignete, eine gute Idee.
Plättensegler nehmen ja vieles auf sich.
Am 21.07.bin ich sehr früh aufgestanden um schnellstmöglich von Salzburg, über Schafwaschner Winkel nach Gollenshausen zur Regatta zu kommen. Allerdings wie man dann auf der Autobahn bemerkt hat auch andere die Idee mit dem Frühaufstehen. 1 Std. Anreise von Salzburg an den Chiemsee/ Schafwaschner Winkel.
Na ja ein guter Beginn.
Allerdings folgte dann die Entschädigung fürs frühe Aufstehen.
Die Morgenstimmung am und auf dem Chiemsee war einfach einzigartig.
Während der gemütlichen 1 ½ stündlichen Anreise vom Schafwaschner Winkel nach Gollenshausen, angetrieben durch einen voller Kraft strotzenden Elektroquirler, konnte ich genussvoll die Morgenstimmung auf dem Chiemsee und die erwachende Tierwelt genießen. Allerdings war, trotz der Beobachtung des faszinierenden Erwachens am und auf dem See immer ein Gedanke in mir. Hält die Batterie bis Gollenshausen?
Eine so weite Fahrt mit dem Elektromotor hatte ich vorher noch nie gemacht. Wind zum Segeln war eigentlich nicht vorhanden.

Na ja, die Chiemseeplätte ist ja Gott sei Dank ein variabel einzusetzendes Boot. Zur Vorsicht habe ich natürlich meine Ruder mit an Bord genommen. Während des geruhsamen Quirlens über den erwachenden See, greiste bei mir immer der beruhigende Gedanken im Hinterkopf, dass ich nach Gollenshausen eventuell ja auch rudern kann, wenn mich meine Motorbatterie verläßt. Wie lange man allerdings von Gstadt nach Gollenshausen rudert, wusste ich nicht. Am aufwachenden Gstadt vorbei zuckelnd, entwickelte ich für den Notfall noch einen anderen Gedanken.
Fischer holten Ihre Fänge ein und überholten mich mit Ihren Booten in beneidenswerter Geschwindigkeit. Man könnte ja von einem dieser Fischer als Anhalter nach Gollenshausen mitgenommen werden, war mein Gedanke. Nur wie kann ich Ihnen das klar machen?

Aber alle Überlegungen waren überflüssig. Mein Elektroquirler brachte mich verlässlich um ca. 10.30 Uhr nach Gollenshausen zum Seehäusl. Bei meiner Ankunft war die Terrasse vollbesetzt und alles saßen gemütlich beim Weißwurstfrühstück. Plötzlich ging ein Ruck durch die Segler und alle stürmten zu Ihren Booten. Der Regattastart war um 11.00 Uhr angesetzt. Das habe ich nicht gewusst. Also gab es für mich vorerst keine Weißwürste. Ich musste ja meinen Elektromotor noch abbauen, damit ich bei der Regatta mitsegeln kann. Und da begann das Dilemma.
Während der Überfahrt hat sich die Halterung des Motors seitlich so am Süllrand der Plätte eingeklemmt, dass ich den Motor nicht mehr abmontieren konnte. Mit dem Elektromotor am Boot wollten Sie mich aber bei der Regatta nicht mitsegeln lassen. Das habe ich allerdings nicht ganz verstanden!

Es war sehr wenig Wind und ich hätte ja noch genügend Saft in der Batterie gehabt. Ok. Bei einer Regatta darf man nicht mit einer durch einen Elektromotor angetriebenen Plätte mitfahren bzw. mitsegeln. Aber man hätte doch eine Ausnahme machen können oder? So konnte ich dann endlich meine Weißwürste genussvoll genießen und sehen wie die anderem Segler sich abmühten zum Start zu kommen. Ich hätte ja eine gute Lösung gehabt um schnell zum Start zu kommen. Aber…………

Während des Genießens der Weißwürste, habe ich ja dann Zeit zum Überlegen gehabt, wie ich am besten den Motor wieder von der Plätte abmachen kann. Schraubenschlüssel, Ratschen, geliehen vom Segelclub, nutzten nichts. Der Motor dachte nicht daran sich von der Plätte zu entfernen. Die Regatta war inzwischen gestartet und mit leichtesten Winden versuchte man doch noch eine Regatta zu fahren. Ich saß fast allein auf der wunderschönen Aussichtsterrasse vom Seehäusl,
genoss Sonne, Kaffee und wunderbaren hausgemachten Kuchen. Was will man mehr.

Währendessen kam ich mit dem Wirt vom Seehäusl, Andreas Stocker ins Gespräch. Sein mit Stolz getragenes 1860 T – Shirt ist mir sofort ins Auge gefallen. Beim netten Ratsch mit Ihm, erfuhr ich dass er ein überzeugter 1860 Fan ist. Stocki, wie er bei Insidern heißt, ist ja wirklich ein sehr liebenwerter Mensch und sein Seehäusl Cup ist inclusive der wirklich tollen Bewirtung eine Veranstaltung die man allen Seglern, speziell auch Plättensegler, da es eine Yardstick Regatta ist, nur empfehlen kann. Stocki wünscht sich nächstes Jahr mindestens 50 Regattateilnehmer.
Auf geht´s in 2014 zum Seehäusl Cup.

Allerdings habe ich eine Empfehlung für jeden Regattateilnehmer. Man soll nur Gutes über 1860 mit dem Wirt reden. Sonst bekommst man bei der Regatta nichts zum Essen und Trinken. Gastgeschenke an Stocki, in Bezug auf 1860, sind natürlich herzlichst willkommen. Ob das aber die Plazierung bei der Regatta beeinflussen kann, kann ich nicht beurteilen. Versuchen könnte man es ja. Fast hätte ich bei diesen netten Plauderei, meinem immer noch am Boot befestigten Motor vergessen. Während ich mir ein weiters Stück Kuchen an der Ausgabe vom Seehäusl holte, was soll man sonst tun, wenn man nicht bei der Regatta dabei sein darf, sehe ich in der Küche den Koch mit einem Küchenmesser. Und da kam mir ein genialer Gedanke.
Das ist es . – Das Küchenmesser – ein Schnitzmesser “.

Die Seehäusl Terrasse hatte sich unterdessen auf Grund des schönen Wetters sehr gut gefühlt. Meine Plätte war direkt am Ufer an einem Pfosten vorm Seehäusl angebunden. Vor vielen erstaunten Augen, begann ich unbeirrbar und ohne aufzuschauen, neben der Motorhalterung den Süllrand mit dem Küchen-Schnitzmesser zu bearbeiten. Siehe da nach, schweißtreibenden Schnitzen wurde der Süllrand etwas dünner und ich konnte den Motor ganz einfach wieder ab machen. Na ja, man muß sich nur zu helfen wissen habe ich mir gedacht. Was allerdings die erstaunten Zuschauer über mich gedacht haben, habe ich nicht in Erfahrung gebracht.
So, jetzt kann die nächste Regatta kommen, war mein einziger Gedanke. Einer meiner späteren Gedankengänge war, dass ich vielleicht durch meine Schnitzaktion mir jetzt einen entscheidenden Vorteil bei den nächsten Regatten verschafft habe.
Die Plätte ist ja durch meine “fachmännische Schnitzaktion “ um ein paar Gramm leichter geworden.
Hilft das um Plätze weiter vorn bei einer Regatta zu belegen?
Ist das unerlaubtes Plätten -Tuning?
Psst. Bitte nicht weitersagen. Wir werden sehen. Die nächsten Regatten und der Seehäusl Cup kommt bestimmt.