Seehäusl Cup 2013

Erwachen-eines-PlaettenseglersAus der Not zum Plättentuning?

Manfred Braun

Manfred Götz stiftete mich an, unbedingt am Seehäusl Cup teilzunehmen.
Im Nachhinein gesehen war das von ihm trotz allem, was sich dann ereignete, eine gute Idee…

Plättensegler nehmen ja vieles auf sich.
Am 21.07. stand ich sehr früh auf, um schnellstmöglich von Salzburg über den Schafwaschner Winkel nach Gollenshausen zur Regatta zu kommen. Allerdings hatten auch andere die Idee mit dem Frühaufstehen, wie ich dann auf der Autobahn bemerkte. Eine Stunde Anreise von Salzburg an den Chiemsee/ Schafwaschner Winkel – ein guter Beginn…

Doch es folgte die Entschädigung fürs frühe Aufstehen:
die Morgenstimmung am und auf dem Chiemsee war einfach einzigartig. So konnte ich den Morgen auf dem See und die erwachende Tierwelt während der gemütlichen 1 ½-stündigen Anreise aus dem Schafwaschner Winkel nach Gollenshausen ausgiebig genießen, angetrieben durch einen vor Kraft strotzenden Elektroquirler.
Nur nagte trotz der Beobachtung der faszinierenden Morgenstimmung leise immer ein Gedanke in mir: ob wohl die Batterie bis Gollenshausen hält?
Eine so weite Fahrt mit dem Elektromotor hatte ich vorher noch nie gemacht.

Wind zum Segeln war eigentlich nicht vorhanden.
Na ja, die Chiemseeplätte ist ja Gott sei Dank ein variabel einzusetzendes Boot. Zur Vorsicht hatte ich natürlich meine Ruder mit an Bord genommen.
Während des geruhsamen Quirlens über den erwachenden See kreiste bei mir immer der beruhigende Gedanke im Hinterkopf, dass ich nach Gollenshausen eventuell ja auch rudern können würde, wenn mich meine Motorbatterie verließe.
Wie lange man allerdings von Gstadt nach Gollenshausen rudert, wusste ich nicht. Schafwaschen-7.15-UhrAm aufwachenden Gstadt vorbei zuckelnd entwickelte ich für den Notfall noch eine andere Strategie. Fischer holten ihre Fänge ein und überholten mich mit ihren Booten in beneidenswerter Geschwindigkeit. Man könnte ja von einem dieser Fischer als Anhalter nach Gollenshausen…?
Nur wie sollte ich ihnen das klar machen? Aber alle Überlegungen waren überflüssig. Mein Elektroquirler brachte mich verlässlich um ca. 10.30 Uhr zum Seehäusl.
Bei meiner Ankunft war die Terrasse voll besetzt und alles saß gemütlich beim Weißwurstfrühstück. Plötzlich ging ein Ruck durch die Segler, und sie stürmten zu ihren Booten. Der Regattastart war auf 11.00 Uhr angesetzt, und das hatte ich nicht gewusst. Also gab es für mich vorerst keine Weißwürste. Ich musste ja meinen Elektromotor noch abbauen, um bei der Regatta mitsegeln zu können. Und genau da begann das Dilemma. Während der Überfahrt hatte sich die Halterung des Motors seitlich so am Süllrand der Plätte eingeklemmt, dass ich den Motor nicht mehr abmontieren konnte. Mit dem Elektromotor am Boot wollten sie mich aber bei der Regatta nicht mitsegeln lassen. Das habe ich allerdings nicht ganz verstanden! Es war sehr wenig Wind, und ich hätte ja noch genügend Saft in der Batterie gehabt. Ok. Bei einer Regatta darf man nicht mit einer durch einen Elektromotor angetriebenen Plätte mitfahren bzw. mitsegeln. Aber man hätte doch eine Ausnahme machen können, oder?

bierSo konnte ich dann doch noch meine Weißwürste genießen und dabei zusehen, wie die anderen Segler sich abmühten, um zum Start zu kommen. Ich hätte ja eine gute Lösung gehabt, auch schnell dort zu sein. Aber…
Während des Verspeisens der Weißwürste hatte ich dann Zeit zum Überlegen, wie ich den Motor am Besten wieder von der Plätte abmachen könnte. Schraubenschlüssel und Ratschen, geliehen vom Segelclub, nutzten nichts. Der Motor dachte nicht daran, sich von der Plätte zu entfernen. Die Regatta hatte inzwischen begonnen, und mit leichtesten Winden versuchte man, sie durchzuführen. Ich saß fast allein auf der wunderschönen Aussichtsterrasse vom Seehäusl, genoss Sonne, Kaffee und wunderbaren hausgemachten Kuchen. Was will man mehr. Währendessen kam ich mit dem Wirt vom Seehäusl, Andreas Stockmeier, ins Gespräch. Sein mit Stolz getragenes 1860-T-Shirt war mir sofort ins Auge gefallen. Beim netten Ratsch mit ihm erfuhr ich, dass er ein überzeugter 1860 Fan war.
Stocki, wie er bei Insidern heißt, ist ja wirklich ein sehr liebenwerter Mensch, und sein Seehäusl Cup ist inklusive der wirklich tollen Bewirtung eine Veranstaltung, die man allen Seglern, speziell auch Plättenseglern nur empfehlen kann, da es eine Yardstick Regatta ist,. Stocki wünscht sich für nächstes Jahr mindestens 50 Regattateilnehmer. Auf geht´s in 2014 zum Seehäusl Cup. Allerdings habe ich eine Empfehlung für jeden Regattateilnehmer. Man soll nur Gutes über 1860 mit dem Wirt reden. Sonst bekommt man bei der Regatta nichts zum Essen und Trinken. Gastgeschenke an Stocki, in Bezug auf 1860, sind natürlich herzlichst willkommen.
Ob das aber die Plazierung bei der Regatta beeinflussen kann, kann ich nicht beurteilen. Versuchen könnte man es ja.

Fast hätte ich bei dieser netten Plauderei meinen immer noch am Boot befestigten Motor vergessen. Während ich mir ein weiters Stück Kuchen an der Ausgabe vom Seehäusl holte – was soll man sonst tun, wenn man nicht bei der Regatta dabei sein darf – sah ich in der Küche den Koch mit einem Küchenmesser.

Und da kam mir die Idee.
Das war es! Küchenmesser = Schnitzmesser!

Die Seehäusl-Terrasse hatte sich unterdessen auf Grund des schönen Wetters sehr gut gefühlt.
Meine Plätte war direkt am Ufer an einem Pfosten vorm Seehäusl angebunden. Vor vielen erstaunten Augen begann ich unbeirrbar und ohne aufzuschauen, neben der Motorhalterung den Süllrand mit dem Küchen-Schnitzmesser zu bearbeiten.
Siehe da, nach schweißtreibendem Schnitzen wurde der Süllrand etwas dünner und ich konnte den Motor ganz einfach wieder ab machen. Na ja, man muß sich nur zu helfen wissen, habe ich mir gedacht. Was allerdings die erstaunten Zuschauer über mich gedacht haben, habe ich nicht in Erfahrung gebracht. So, jetzt kann die nächste Regatta kommen, war mein einziger Gedanke.

Einer meiner späteren Gedankengänge war, dass ich mir vielleicht durch meine Schnitzaktion jetzt einen entscheidenden Vorteil bei den nächsten Regatten verschafft habe. Die Plätte ist ja durch meine “fachmännische Schnitzaktion“ um ein paar Gramm leichter geworden. Hilft das, um Plätze weiter vorn bei einer Regatta zu belegen? Ist das unerlaubtes Plätten -Tuning?
Psst. Bitte nicht weitersagen.
Wir werden sehen. Die nächsten Regatten und der Seehäusl Cup kommen bestimmt.

Manfred Braun